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Saarlouis als neues Musterungszentrum

Stellungnahme des Friedensnetz Saar und der DFG-VK Trier

Das Friedensnetz Saar und die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen Trier/Saar kritisieren die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums scharf, in Saarlouis eines der neuen Musterungszentren einzurichten.

Wir sind bestürzt darüber, wie sich Saarlouis vor Ort als Garnisonsstadt in ausufernder Militärromantik selbst beklatscht ohne auch nur einen Moment mal innezuhalten. Die Jubelrhetorik von OB Marc Speicher muss deutlich kritisiert werden. Wenn der Saarlouiser Oberbürgermeister das als „großen Erfolg“ feiert, übernimmt er genau das falsche Framing. Er macht aus einem Verwaltungsakt ein politisches Signal für Aufrüstung und Kriegsgeschrei.

Viele Menschen reagieren auf Musterung und Wehrpflicht nicht mit Euphorie, sondern mit Sorge. Diese Ängste muss ein Oberbürgermeister ernst nehmen, statt sie mit Standortjubel zu übergehen. Saarlouis braucht eine Stadtpolitik, die zivile Interessen schützt und Ängste ernst nimmt.

Während auch in Saarlouis Schulen unter Personalmangel leiden, bezahlbarer Wohnraum fehlt und soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, setzt die Bundesregierung mit Unterstützung des Saarlandes erneut auf Aufrüstung und Militarisierung. Statt in Bildung, Pflege, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt zu investieren, sollen Millionenbeträge in neue militärische Strukturen fließen.

An der Saar und überall in Europa gilt es wieder Zukunftsperspektiven für Familien, junge Menschen und Beschäftigte zu schaffen – und keine Rückkehr zur Militarisierung des öffentlichen Lebens zu betreiben. Geld für Bildung, soziale Sicherheit und Pflege ist wichtiger als neue Rekrutierungsstrukturen.

Sehr fragwürdig ist die voranschreitende gesellschaftliche Verankerung militärischer Präsenz. Mit neuen Musterungszentren und verstärkter Werbung der Bundeswehr im öffentlichen Raum droht eine schleichende Gewöhnung an Aufrüstung, Wehrpflicht und militärisches Denken.

Wir schämen uns für Saarlouis. Wir schämen uns für diesen Ort, in der ein mörderischer, rechtsextremer Anschlag jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt wurde und in der ein Oberbürgermeister stolz darauf ist, dass man als einzige Stadt Deutschlands Soldaten als Ehrenbürger hat. Wir schämen uns für OB Marc Speicher, der schneller als es die Bundeswehr selbst konnte, ein eigenes kommunales Team zur Standortsuche für ein Musterungszentrum betrieb.

Saarlouis und alle unsere Städte, gerade hier an der Grenze, sollten stattdessen Orte des Friedens und des sozialen Zusammenhalts sowie internationaler Zusammenarbeit und Versöhnung sein. Orte des Friedens und der Nachdenklichkeit angesichts der Kriege weltweit, die auch uns an der Saar bald direkt (be)treffen könnten.